Wer war eigentlich

Hans-Dietrich Genscher?


Genscher
Hans-Dietrich Genscher (* 21. März 1927, ✝ 31. März 2016) 1

 

Seit 2017 trägt unsere Schule, aufgrund einiger engagierter Schüler, Lehrer und Eltern und des Beschlusses des Stadtrates Halle (Saale), den Namen Hans-Dietrich-Genscher-Gymnasium. Doch wer war Hans-Dietrich-Genscher eigentlich?


„Diese Stadt hat mich geprägt“


Genscher
Hans-Dietrich Genscher besucht unsere Schule 2

 

Hans-Dietrich Genscher wurde am 21. März 1927 in Reideburg geboren. Dort verbrachte er die ersten Jahre seines Lebens auf dem Bauernhof seines Onkels. Im Alter von sechs Jahren zog seine Familie nach Halle. Hier besuchte Genscher ab 1937 unsere heutige Schule, das damalige Reformrealgymnasium. Mit 17 Jahren wurde er zum Wehrdienst eingezogen und geriet kurze Zeit später in Kriegsgefangenschaft, der er aber entkommen konnte. Nach Ende des Krieges trat Genscher der Liberal-Demokratischen Partei, kurz LDP bei und absolvierte sein Abitur. Danach studierte er Rechtswissenschaft in Halle und Leipzig und legte 1949 sein erstes juristisches Examen in Leipzig ab. Im Alter von 25 Jahren kehrte Genscher allerdings, aufgrund des wachsenden Drucks der SED auf die Liberalen, Halle und der restlichen DDR den Rücken zu und siedelte in die Bundesrepublik über. Hier trat er der FDP bei und absolvierte kurze Zeit später sein zweites Staatsexamen in Hamburg. Dennoch führte es Genscher immer wieder in seine alte Heimat zurück. Er half beispielsweise die Franckeschen Stiftungen in Halle zu retten. Außerdem besuchte er immer wieder unsere Schule, beteiligte sich an dessen Sanierungskosten und hielt Reden.


„Genschman“


Genschman
Genschman-Logo 3

 

1989 kurz vor der deutschen Wiedervereinigung machte die Satirezeitschrift „Titanic“ Hans-Dietrich Genscher zu einem Comic-Superhelden namens „Genschman“. Genschman rettete in dem Comic als unförmige Version von Batman mit riesigen Ohren die Welt. Die FDP druckte das Genschman-Emblem sogar zum nächsten Wahlkampf auf T-Shirts und Plakate.

In der Realität setzte sich Genscher oft für die Rechte der Menschen ein. So unterstützte er den Menschenrechtler Nelson Mandela und den Putin-Gegner Michail Chodorkowski bei ihrer Freilassung und und half 1991 beim Prozess der Anerkennung von Slowenien und Kroatien als eigenständige Staaten.

Nelson Mandela 4

Michail Chodorkowski 5

Genscher der Politiker


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Hans-Dietrich Genscher mit seinem Parteikollegen Gerhart Baum 6

 

Hans-Dietrich-Genscher interessierte sich schon in jungen Jahren für die Politik. Mit 25 Jahren trat er im Westen der FDP bei. Nur zehn Jahre später wird Genscher zum Bundesgeschäftsführer der FDP. Bundeskanzler Willy Brand beruft Genscher zum Innenminister Deutschlands. Dieses Amt führt er von 1969 bis 1974 aus. Unter Helmut Schmidt wird Genscher 1974 zum Vizekanzler und Außenminister ernannt. 18 Jahre in Folge führt er diese beiden Ämter aus. In diesen Jahren war Genscher an vielen wichtigen, geschichtsträchtigen Beschlüssen und Entscheidungen, wie zum Beispiel der KSZE-Schlussakte beteiligt. Genschers größter politischer Triumpf war wohl, als er nach Verhandlungen mit den Vertretern Ost-Berlins und Prags den DDR-Flüchtlingen folgendes verkünden konnte: „Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise möglich geworden ist“. Das Ende des Satzes ging unter lautem Gejubel unter. 1992 tritt Genscher auf eigenen Wunsch hin vom Amt des Vizekanzlers und Außenministers Deutschlands zurück. In seiner Partei der FDP wird Genscher nach seinem Rücktritt zum Ehrenvorsitzenden ernannt.


Bildquellen:

  1. Silke Hüttenrauch
  2. Bild der Schule
  3. Dirk Schäfer; Bild wurde bearbeitet; Link
  4. South Africa The Good News; Bildbeschreibung: Nelson Mandela in Johannesburg, Gauteng, on 13 May 2008; Bild wurde nicht bearbeitet; Link
  5. Picasa Web Albums; Bild wurde nicht bearbeitet; Link
  6. Ludwig Wegmann; Titel; Kiel, FDP-Bundesparteitag, Genscher, Baum; Link